RHYMA
Anleitung

Reimarten und Reimschemata einfach erklärt

Was reine und unreine Reime unterscheidet, wie AABB und ABAB funktionieren und welche Muster in Limerick, Terzine und Sonett stecken.

Handgezeichnete Verszeilen; grüne und gelbe Linien zeigen, wie sich Reimklänge wiederholen

Auf Nacht fällt dir Pracht ein. Dann kommt Licht: Es klingt ein wenig verwandt, reimt sich aber nicht genauso. Und plötzlich steht ABAB neben deinem Gedicht, als hätte jemand eine Matheaufgabe dazugeschrieben.

Es sind zwei verschiedene Fragen. Eine Reimart beschreibt, wie Wörter klingen oder wo der Gleichklang steht. Das Reimschema zeigt, welche Zeilen am Ende zusammenklingen. A bezeichnet einen Klang, B einen anderen. Die Buchstaben sind keine Noten für die Qualität des Gedichts; so verwendet sie auch das Glossar der Academy of American Poets.

Eine endgültige Liste aller Schemata gibt es nicht: Man kann die Buchstaben immer neu anordnen. Hier sind die wichtigsten Unterscheidungen und elf Muster, die man oft wiedererkennt.

Was hört man beim Reim?

Beim reinen Reim stimmen die Laute ab dem letzten betonten Vokal überein: Nacht / Pracht. Ein unreiner oder annähernder Reim klingt ähnlich, aber nicht gleich. Entscheidend ist das Ohr, nicht die Schreibweise; Aussprache kann sich mit Sprache und Akzent ändern. Die Academy erklärt die Unterscheidung.

In einer Studie zu unreinen Reimen hörten Menschen deutsche Wortpaare und Verspaare. Lautähnlichkeit und Verskontext beeinflussten, ob sie einen Reim wahrnahmen. Das ist kein Urteil über „gute“ Gedichte und keine Untersuchung von Rhyma. Es zeigt nur, warum ein Wörterbuch allein nicht über einen Reim entscheidet.

Endreime stehen am Zeilenende, Binnenreime innerhalb einer Zeile oder zwischen Mitte und Ende. Ort und Genauigkeit sind unabhängig voneinander. Ein Augenreim sieht nur geschrieben wie ein Reim aus; das englische through / rough ist ein Beispiel aus dem Glossar der Poetry Foundation. Assonanz verbindet Vokale, Konsonanz Konsonanten. Nicht jede solche Klangähnlichkeit ist schon ein voller Reim.

Dann gibt es die Betonung am Zeilenende: Ein männlicher Reim endet betont (Nacht / Pracht), ein weiblicher hat nach der betonten Silbe noch eine unbetonte (gehen / stehen). In der ukrainischen Verslehre gibt es außerdem den daktylischen Reim, mit der Betonung auf der drittletzten Silbe. Das sind alte Fachnamen für Betonungsmuster, keine Aussagen über Menschen. Die Beispiele lassen sich nicht immer eins zu eins in andere Sprachen übertragen.

Ukrainische Fachleute sortieren Reime auch nach der Zahl der beteiligten Wörter, Wortarten und der Länge des gemeinsamen Klangs. So entstehen Bezeichnungen wie zusammengesetzt, verbal, reich und arm. Eine Untersuchung ukrainischer Reimbegriffe zeigt, dass selbst Fachleute „reich“ und „vollständig“ nicht immer gleich definieren. Das sind Beschreibungen, kein Einmaleins.

So liest du die Buchstaben

Reimen sich Zeile eins und drei, bekommen beide A. Teilen zwei und vier einen anderen Klang, heißen sie B: ABAB. Gleiche Farben in den Zeichnungen bedeuten gleiche Endklänge. Die Striche stehen für Gedichtzeilen.

Ein Klang für alle: AAAA

Alle vier Zeilen kehren zum selben Klang zurück. Das heißt Monoreim. Einfach zu zeichnen; schwieriger, ohne Reimwörterbuch durchzuhalten.

AAAA: Alle vier Zeilen teilen den Reim A

Paarreim: AABB

Die erste Zeile reimt sich mit der zweiten, die dritte mit der vierten. Zwei kleine Paare nacheinander.

AABB: Die ersten beiden und die letzten beiden Zeilen bilden je ein Reimpaar

Kreuzreim: ABAB

Die erste Zeile wartet auf die dritte, die zweite auf die vierte. Der Klang wechselt bei jeder Zeile.

ABAB: Die Reime A und B wechseln sich von Zeile zu Zeile ab

Umarmender Reim: ABBA

Die äußeren Zeilen reimen sich; die beiden in der Mitte bilden ein zweites Paar. Wie eine Klammer.

ABBA: Die äußeren A-Zeilen umschließen zwei B-Zeilen

Nur die geraden Zeilen: ABCB

A und C kommen in dieser Strophe nicht wieder. Nur die zweite und vierte Zeile reimen sich. In der englischsprachigen Ballade ist das ein vertrautes Muster; laut Academy kann sie auch durchgehend über Kreuz reimen.

ABCB: Nur die zweite und vierte Zeile teilen den Reim B

Dreimal zurück, einmal weg: AABA

Zeile eins, zwei und vier haben A; die dritte biegt kurz zu B ab. Die Poetry Foundation führt AABA als mögliche Vierzeilerform auf, nicht als Eigentum einer einzigen Gedichtform.

AABA: Die erste, zweite und vierte Zeile reimen sich, die dritte weicht ab

Die Übersicht zum Vierzeiler nennt auch AABB, ABAB, ABBA und ABCB. Ein Schema beschreibt nur Endreime, nicht Takt, Zeilenlänge oder Thema.

Wenn aus dem Schema eine Gedichtform wird

Limerick: AABBA

Fünf Zeilen: A am Anfang und Ende, dazwischen ein kürzeres B-Paar. Der federnde Rhythmus und die oft komische Geschichte gehören ebenfalls dazu; die Academy beschreibt die Regeln.

Limerick AABBA: Drei A-Zeilen rahmen zwei B-Zeilen ein

Terzine: ABA BCB CDC…

Der mittlere Reim eines Dreizeilers wandert nach außen in den nächsten. B verbindet die ersten beiden Strophen, C die nächsten. Diese Kette ist das Merkmal der Terza rima. Die Zeichnung zeigt drei Glieder, nicht den vorgeschriebenen Schluss.

ABA BCB CDC: Der Mittelreim jeder Terzine wird im nächsten Dreizeiler aufgegriffen

Drei Wege zum Sonett

Ein traditionelles Sonett hat vierzehn Zeilen. Beim Shakespeare-Sonett folgen drei Vierzeiler und ein Schlussreimpaar: ABAB CDCD EFEF GG. Die letzten Zeilen können einen Gedanken bündeln oder wenden.

Shakespeare-Sonett: ABAB CDCD EFEF und ein Schlussreimpaar GG

Das Petrarca-Sonett beginnt mit ABBA ABBA. Die letzten sechs Zeilen können verschieden reimen; CDE CDE ist eine Möglichkeit. Zwischen der achten und neunten Zeile ändert sich oft die Denkrichtung.

Eine Variante des Petrarca-Sonetts: ABBA ABBA, dann CDE CDE

Beim Spenser-Sonett greifen die Vierzeiler ineinander: ABAB BCBC CDCD EE. Der Klang der vorigen Strophe bleibt länger dabei. Die Academy erklärt alle drei Varianten und ihre Abwandlungen.

Spenser-Sonett: Verknüpfte Vierzeiler ABAB BCBC CDCD und EE am Schluss

Daneben gibt es Villanellen, Ghasele, Rondeaus und Triolette. Manche wiederholen ganze Zeilen, nicht nur Endklänge. Diese elf Bilder sind eine Landkarte für den Einstieg, kein vollständiges Verzeichnis.

Und jetzt das Lineal weglegen

Du hast AABB, ABAB und ABBA gelernt, die Terzine überstanden und vielleicht schon ein Spenser-Sonett geplant. In Rhyma gibt es einen kleinen Haken: Wenn du dran bist, siehst du nur die unmittelbar vorherige Zeile. Das ganze Gedicht erscheint erst nach dem letzten Zug.

Auf die sichtbare Zeile kannst du reimen. Ein ABAB von vor drei Zügen lässt sich aber nicht zuverlässig fortsetzen: Das nötige A steckt womöglich hinter dem Vorhang. Das hier ist ein gemeinsames Gedicht, keine Prüfung in Verslehre. Überlass deine Zeile dem Zufall und der nächsten Person. Sie bekommt auch nur einen Hinweis. Rhyma bei Google Play ausprobieren.

Wer jede Strophe gemeinsam planen möchte, findet andere Orte zum gemeinsamen Schreiben und sieben Gedichtspiele.

Quellen

Alle Rhyma Artikel